Auf der Insel Iona schlendere ich durch den Buchladen. Draußen stürmt der Wind und ich spüre noch die nasse Kälte in meinen Knochen. Langsam tauen meine Finger wieder auf und mein Geist ist schwerelos. Da fällt mein Blick auf ein Kreuz. Es erinnert mich an die Steinkreuze auf der Insel. Mitten in der Landschaft ragen sie in die Höhe. Diese Miniaturausgabe zieht mich in ihren Bann. Plötzlich bin ich ganz präsent. Eine Tiefe und Ruhe breiten sich aus in meinem Herzen und ich fühle Frieden und Verbundenheit. Dieses Symbol hat eine Bedeutung für mich. Deshalb kaufe ich das 28 cm hohe Stehkreuz und nehme es mit nach Hause.

Steinmetz Benjamin Ritter mit dem Ehepaar Wälde

Mitten in der Krise stellen wir ein Symbol der Hoffnung auf.

Gestern, 13 Jahre später, stehen Rainer und ich vor einem Steinblock. Der Steinmetz aus unserem Nachbarort Neukirchen arbeitet mit seinen geschickten Händen aus diesem Stein ein Hochkreuz nach der Vorlage unseres Kreuzes aus Iona. Die Form ist schon deutlich zu erkennen. Wieder durchströmt mich die starke Symbolkraft und ich bin ganz aus dem Häuschen. An Pfingsten wird dieses zwei Meter hohe keltische Steinkreuz aus Kalkstein vom Thülster Berg und einem Sockel aus irischem Blaustein vor der Gutshof Kapelle aufgestellt.

Erinnern Sie sich an die motivierende Kraft des Anfangs.

Ausgerechnet jetzt, in dem schrittweisen Ausstieg aus dem Look down wird dieses Kreuz für uns zum Symbol der Hoffnung. Es ist für mich wie ein Kompass, der mir den Weg in die Zukunft weist. Es erzählt die Geschichte vom Anfang des Lebens. Wie gut kann ich mich erinnern, wie wir vor über drei Jahren im Gutshof eingezogen sind. Beflügelt von der Idee ein Seminarzentrum für Sinnsucher und Sinnstifter aufzubauen, starteten wir durch. Seitdem ist viel passiert. Es tut so gut an den Anfang zu denken. Erinnern Sie sich, mit welcher Motivation sie Ihre derzeitige berufliche Tätigkeit, ihre Dienstleistung oder ihre Firma begonnen haben? 

Turbulenzen kosten Kraft und vernichten Ressourcen.

Auf dem Kreuz sind ein wildes Tier und eine Konfliktsituation abgebildet.  Eine Erfolgsgeschichte beinhaltet Krisen, in denen so manches stirbt. Schon vor Corona steckte die Botschaft vom ständigen Fortschritt in der Krise. Immer schneller, immer weiter und immer mehr hat seine Spuren hinterlassen. Wie uns Wissenschaftler sagen, ist das Erdklima bedrohlich aufgewärmt und die Ressourcen werden knapp. Die Schere zwischen Gewinnern und Verlieren des Fortschrittes ist sichtbar. Es sterben nicht mehr so viele Menschen an Hunger und es sterben auch weniger Menschen in Kriegen, wie noch im letzten Jahrhundert. Dennoch sind sehr viele Menschen auf der Flucht. Das alles war weit weg. Jetzt hat der Virus uns ganz persönlich in Turbulenzen gebracht. 

Fassen Sie Mut bewährte Routinen zu hinterfragen.

Die Geschichte geht weiter. Rufen wir jetzt sobald wir öffnen dürfen wieder unsere bewährten Routinen ab? Was bleibt uns übrig, es ist so viel zu tun. Irgendwie müssen wir den Weg in diesen verschärften Bedingungen finden. Auf dem Kreuz steht die in der Krise getötete Person wieder auf, zu einem Leben in einer anderen Dimension. Ich stelle mir die Frage, wie gewinne ich Kraft für Neues? Oder bleibt doch alles beim Alten? Einfach irgendwie weitermachen. Letzte Woche diskutieren Rainer und ich mit Weg-Gefährten über das angebrachte Vorgehen in der jetzigen Corona-Phase. Wie unterschiedlich sind die Sichtweisen. Die Diskussion fordert mich heraus meine eigenen Routinen zu überdenken. Sie reißt mich aus dem Trott.

Irritierende und schmerzliche Gefühle können den Weg weisen.

Dabei komme ich in Kontakt mit meinen Gefühlen, eine Mischung aus Angst, Ohnmacht und Sehnsucht. Vielleicht könnte es doch gelingen Natur, Wirtschaft und Technik in ein besseres Miteinander zu bringen, vielleicht könnte das soziale Miteinander und die Interessen des Einzelnen sich besser ergänzen zum Gemeinwohl. Sofort sagt der Praktiker in mir: „träum weiter“. Das liegt nicht in deinem Handlungsraum. Kümmere du dich um deinen eigenen Kram. Schon will ich zur Tagesordnung übergehen. Aber die Sehnsucht ruft mich tiefer einzutauchen. 

In tiefen Momenten loslassen, behalten und neue Möglichkeiten entstehen lassen.

Neue schöpferische Kraft finde ich in der Tiefe. Wenn sich das Wasser während der Ebbe zurückzieht gibt es einen Moment der Stille, die Bewegung kommt zur Ruhe. Hier findet das Wasser die Kraft wieder Richtung Ufer zu fluten. Das Kreuz zieht mich in die Stille, in die Dimension der Hoffnung. Es lädt mich ein dort zu verweilen, in die Quelle der ewigen Dimension einzutauchen. Was kann ich loslassen? Was ist gut und kann bleiben? Welche neuen Möglichkeiten bringt diese schöpferische Kraft hervor? Neues kann nur entstehen, wenn die Stille Raum bekommt und wir uns Zeit nehmen, neue Möglichkeiten kommen zu lassen. Ansonsten werden wir sobald es möglich ist, genau so weitermachen, wie bisher.

Den Sommer für eine Ruhepause nützen.

Mir ist bewusst, dass der Alltag uns enorm fordert. Wie soll man da zur Ruhe kommen. Jetzt ist es wichtig, dass alles wieder ins Laufen kommt und wir so effizient wie möglich alles tun, dass wir gesund bleiben und gleichzeitig wieder Geld verdienen. Wahrscheinlich wird der Sommerurlaub im Ausland ausfallen. Da kommt mir eine Idee.

Wie wäre es, wenn Sinnsucher und Sinnstifter im Sommer für ein paar Tage auf dem Gutshof Urlaub machen würden, um der ureigenen Kreativität Raum zu geben. Hier mitten im Grünen einfach sein, diskutieren, Gefühlen freien lauf lassen, eintauchen in kreative Momente und erfrischt in die Zukunft gehen. Ich würde mich auf Sie freuen.

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In einer Woche startet der Berufungs Online Kongress: “Jetzt oder nie!” Folge deinem Ruf! Mein Interview wird am 23. Mai für 24 Stunden online zu sehen sein und ich freue mich, wenn Sie mit dabei sind. https://berufungskongress.at


Ilona Dörr-Wälde